Mikroalgen haben anerkannte Eigenschaften in zahlreichen neuen Bereichen. Von der Beleuchtung über das Heizen von Gebäuden und die Reinigung der Luft bis hin zur Herstellung von Biokraftstoff, Kunststoffen oder sogar Kosmetika – Algen halten viele Überraschungen für uns bereit! In diesem Dossier verraten wir Ihnen all ihre Geheimnisse.
Begleiten Sie uns heute und entdecken Sie, wie Algen bei Ihnen zu Hause Einzug halten und Ihre Umweltbelastung verringern können!
Lesen Sie auch: Alles über Algen
MIT MIKROALGEN HEIZEN
Stellen Sie sich ein Gebäude vor, dessen Heizbedarf zu 100 % und dessen Warmwasserbedarf zu 50 % durch Spirulina gedeckt wird. Nun, dieses Gebäude gibt es. Es wurde 2013 in Hamburg errichtet und trägt an seiner 200 m2 grossen Fassade Behälter mit Spirulina, sogenannte Photobioreaktoren.
Dank der Zusammensetzung des Kulturmediums (Nährstoffe und CO2) und der Sonneneinstrahlung auf die Fassade vermehren sich die Mikroalgen dort stark und betreiben in aller Ruhe Photosynthese. Die bei ihrem Wachstum entstehende Wärme wird zusammen mit der Sonnenwärme zu einem Wärmetauscher im Untergeschoss des Gebäudes geleitet, um Brauch- und Sanitärwasser zu erwärmen. Das so gewonnene Warmwasser deckt 100 % des Bedarfs für die Gebäudeheizung und 50 % des laufenden Warmwasserbedarfs. Die restlichen 50 % liefert eine Wärmepumpe. Allerdings sind Mikroalgen Lebewesen, die sowohl auf zu tiefe als auch auf zu hohe Temperaturen empfindlich reagieren. Deshalb ist eine Schutzvorrichtung vorgesehen, die sie vor extremen Witterungsbedingungen bewahrt.
Leider ist der Bau solcher Gebäude derzeit noch sehr teuer, doch die zuständigen Ingenieure hoffen, die Kosten langfristig senken zu können.
Lesen Sie auch: Mit Mikroalgen ins All
«GRÜN» STREICHEN
Bleiben wir beim Bauen: Ein bretonisches Unternehmen nutzt Mikroalgen, diese natürlichen und erneuerbaren Rohstoffe, zur Herstellung von Farbe.
Diese Produkte auf Algenbasis tragen dank ihrer geringen Emission flüchtiger organischer Verbindungen zur Luftqualität in Wohnräumen bei. Diese VOC sind giftige Verbindungen, die in Algenfarbe mit weniger als 1 g/Liter enthalten sind – bei herkömmlichen Farben können es bis zu 100 g/Liter sein.
Diese Innovation aus erneuerbaren Rohstoffen, die Umweltschutz und kurze Lieferketten in den Vordergrund stellt, wurde in Frankreich und Europa mehrfach ausgezeichnet.
Lesen Sie auch: Algen und die vegane Ernährung
KUNSTSTOFF OHNE PLASTIK
Kunststoff gehört zu den Abfällen, die sich in der Natur am langsamsten zersetzen. Eine PET-Flasche braucht beispielsweise 100 bis 1000 Jahre, um zu verschwinden – so ist mitten im Pazifik sogar ein 7. Kontinent aus Plastik entstanden. Dieser Müllteppich ist ein echtes Umweltproblem und trägt zum Verlust der marinen Biodiversität bei.
Durch mechanische und thermische Verfahren lässt sich tatsächlich Kunststoff aus Algen herstellen, die ohne Pestizide und Dünger und mit sehr wenig Wasser kultiviert werden. Die daraus gefertigten Gegenstände sind biologisch abbaubar. Nach 12 Wochen in der Erde ist der Gegenstand verschwunden und wirkt dabei als natürlicher Dünger. Zudem lässt sich dieses Material leichter verarbeiten als herkömmliches Kunststoffgranulat und erfordert keine Investitionen in spezielle Maschinen. Die Einsatzmöglichkeiten dieses Kunststoffs sind grenzenlos: Von Brillengestellen über Blumentöpfe bis hin zu Mehrwegbechern – Algen können schon heute in Ihrem Zuhause Einzug halten.
In naher Zukunft werden Algen dazu beitragen können, die Energieeffizienz Ihres Zuhauses zu verbessern. Sie werden auch Teil Ihres Alltags sein, indem sie helfen, die Luftverschmutzung in Innenräumen zu verringern und zugleich die Umweltbelastung bei der Herstellung und dem Recycling von Kunststoffen zu senken.
Bald erfahren Sie mehr darüber, wie Algen im Stadtbild und in der Kosmetik eingesetzt werden können.
Lesen Sie auch: Algen und die Umwelt
